mit Julia Hainz, 2018

 

Sie trug einen scheckigen zottigen Umhang. Ihr Schamhaar reichte bis zu den Knien. Ihr Maul umfasste beinahe die Hälfte des Kopfes. Conaire fragte nach ihrem Namen: Nicht schwer, antwortete Sie, Zerstörung, Zertrümmerung, Verletzung, Unfreundlichkeit, Kampf.

Sheela-na-gig zieht in nicht misszuverstehender Weise die Scham zwischen den weit gespreizten Händen auseinander, so dass eine mächtige, wenngleich stilisierte Öffnung entsteht. Der große runde Kopf mit den aufgerissenen Augen wirkt über dem rudimentären Körper überproportioniert und erfährt dadurch eine ähnliche Wirkungssteigerung wie der Genitalbereich. Die ganze Kraft kommt aber dem Gestus der kompliziert unter den Beinen hindurchgeführten Hände zu, der Kopf und Scham breit ausholend verbindet.

Nur um auf der sicheren Seite zu sein, haben Carmen Westermeier und Julia Hainz sie über dem Portal ihrer Installation angebracht.

 

Your Body is your Temple - Sheela-na-gig wird das Unheil von allen, die durch es hindurch gehen, fernhalten.

Durch das selbstbestimmte Enthüllen ihres Körpers bestärkt uns ihr Mythos durch die Zeit. Doch die Interpretationen gehen auseinander. Show me your giggie! Geschlecht, Gesundheit, Reinheit und Hygiene, aber auch Schönheit und Sicherheit unserer Körper werden durch divergierende und sich wandelnde Konzepte beherrscht.

 

Heute steht alles unter dem Slogan Expansion, als ein unkontrollierbares inneres Verlangen. Fingernägel Extensions, Bewusstseinserweiterung und magenfüllende Präparate zum Einnehmen.

Die Installation Sheela-na-gig greift dieses Streben nach übermäßiger Anpassung an äußere Zwänge auf und betrachtetet es als spezielle Form des Lernens, das demzufolge auch verlernt werden kann.

Der Besuch  wird zu einem eigentümlichen Erlebnis - verblüffende Objekte werden angepriesen, bei Wellness und Spa entsteht ein kritischer Blick auf unsere eigene Körperwahrnehmung, im Safety Store oder bei Bull Toys werden innovative Gadgets zur Sheela-na-gig unserer Zukunft angeboten. Try it and buy it!